Mario Rivera
Musiker - komponist - producer
Mario Rivera hat am Konservatorium „A. Casella“ in L’Aquila ein Studium im Fach E-Bass abgeschlossen und im Laufe der Jahre verschiedene Ensembles gegründet und/oder an deren Aktivitäten mitgewirkt, die hauptsächlich dem Bereich der ethnischen Musik zuzuordnen sind. Im Laufe seiner Karriere hat er seine rein musikalische Tätigkeit (Konzerte, Komposition, Studium) oft mit der Schauspielerei sowohl im Theater als auch im Kino und im Fernsehen verbunden.
Musik
Seine musikalische Tätigkeit umfasste verschiedene Projekte; seit der Gründung der Band Agricantus im Jahr 1979 bis zum Jahr 2025, hat Rivera mit Musik- und Theatergruppen zusammengearbeitet und Musik für Kino, Fernsehen und Theater komponiert, produziert und umgesetzt. Darüber hinaus hat er Alben für andere Künstler sowie verschiedene Remix des Genres Drum and Bass produziert.
Agricantus
Im Jahr 1979 gehörte er zu den Gründern der Gruppe Agricantus, mit der er Konzerte in Italien und weltweit gab und 18 Alben sowie Compilations aufnahm und veröffentlichte. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Agricantus zu einer Gruppe, die weltweit die sizilianische Volksmusik und die italienische Weltmusik repräsentierte und erhielt den Premio Italiano della Musica des Jahres 1997. Das Album Tuareg erreichte Platz sechs der World Music Chart Europe, und gewann 1996 den Targa Tenco 1996 für das beste Album im Dialekt. Ebenfalls 1997 wirkte er mit Agricantus am Soundtrack zum ersten Film von Ferzan Özpetek, Hamam – Das türkische Bad mit, wodurch die Zusammenarbeit mit den genuesischen Komponisten Pivio und Aldo De Scalzi begann, die bis heute andauert. Im Jahr 2000 komponierte er mit Agricantus den Soundtrack zum Film "Placido Rizzotto" von Pasquale Scimeca, der auf den 57. Filmfestspielen von Venedig das dem sizilianischen Gewerkschafter gewidmete Werk gewann, sowie den Fedic-Preis, das Miami Latin Film Festival 2002 und den Publikumspreis des Festival du Cinema Italien de Bastia 2001. In den folgenden Jahren wurden einige mit Agricantus produzierte und aufgenommene Titel in Compilations der Weltmusik und ethnischen Musik aufgenommen, darunter „Buddha Bar – Vol. IV“ und „Siddharta“.[ Die Zusammenarbeit mit Agricantus dauerte ununterbrochen von 1979 bis 2005, als sie aufgrund künstlerischer Differenzen mit den anderen Bandmitgliedern vorübergehend unterbrochen wurde. Der künstlerische Weg mit Agricantus wurde im Jahr 2013 mit der Veröffentlichung der Single „Uommene – Omini“ fortgesetzt (produziert von CNI mit Unterstützung von Blob, Legambiente, Amnesty International und dem Internationalen Frauenhaus in Rom). Im Jahr 2014 erschien die CD „Turnari“(CNI), die beim Concerto del Primo Maggio 2014 auf der Piazza San Giovanni in Rom vorgestellt wurde. Neben Mario Rivera und Mario Crispi gaben Federica Zammarchi (Gesang), Giovanni Lo Cascio (Percussion, Schlagzeug) und Giuseppe Grassi (Mandola) ihr Debüt in der Besetzung. Im Jahr 2016 komponierte und produzierte Rivera zusammen mit Agricantus den Soundtrack für den erfolgreichen TV-Film "Felicia Impastato" von Gianfranco Albano. Im Jahr 2018 veröffentlichte die Band das Album „Akoustikòs – Vol. 1“, ein Werk, das neben einer Änderung der Besetzung auch einen musikalischen und klanglichen Wendepunkt in der Geschichte der Gruppe markiert. Die sizilianische Band präsentiert einen neuen Sound, der stärker auf die für Weltmusik typischen akustischen und farbenfrohen Klänge ausgerichtet war, ohne dabei auf leichte elektronische Einlagen zu verzichten. Zur neuen Besetzung gehörten Rivera, Crispi, die sizilianische Sängerin Anita Vitale und der Schlagzeuger und Perkussionist Giovanni Lo Cascio. Die Zusammenarbeit endete om Jahr 2025 endgültig.
Stefano Saletti & Banda Ikona
Seit 2004 ist Mario Rivera Mitglied der Ethno-Band Banda Ikona (auch bekannt als Piccola Banda Ikona), die von Stefano Saletti gegründet wurde und geleitet wird, zusammen mit anderen Musikern der italienischen Weltmusikszene wie Gabriella Aiello, Barbara Eramo, Gabriele Coen und Giovanni Lo Cascio. Zusammen mit Stefano Saletti koproduzierte er die ersten beiden CDs der Band, „Stari Most“ (2005) und „Marea cu sarea“ (2008) und wirkte an den vier weiteren Alben „Folkpolitik“ (2012), „Soundcity“ (2016), Mediterraneo Ostinato (2021) und „Mediterranima“ (2025) mit. Die Konzerttätigkeit umfasste Live-Auftritte in Italien und im Ausland sowie einige Sonderveranstaltungen, die oft mit der Welt des Theaters verbunden waren: „Iliade, l’aspra contesa“ von Piero Maccarinelli mit Manuela Mandracchia, Massimo Popolizio und unter Mitwirkung von Umberto Orsini, Maurizio Donadoni, Luciano Virgilio, Massimo Foschi und Luca Lazzareschi (2007), Breviario Mediterraneo mit Predrag Matvejević und Omero Antonutti (2010), Kroton, Lokroi e la barca di Enea von Giorgio Albertazzi, herausgegeben von Andrea Di Bari in Zusammenarbeit mit Sergio Basile und Ilaria Genatiempo (2011), Dalle donne del mito alle nostre vite von und mit Pamela Villoresi (2014), Il Mediterraneo è donna mit Lucilla Galeazzi, Yasemin Sannino, Gabriella Aiello, Francesca Bellino, Nando Citarella, Pejman Tadayon (2017–2018).
Pippo Pollina
Von 2022 bis 2026 arbeitete Mario Rivera mit dem italienischen Liedermacher Pippo Pollina (unter anderem Mitbegründer der Band Agricantus) zusammen. Als Kontrabassist und E-Bassist nahm er an der ausgedehnten Tournee zur Präsentation des Albums „Canzoni Segrete“ (2022 – Jazzhaus Freiburg) teil, die Pollinas Band (Palermo Acoustic Quintet) durch Europa unter anderem ins Teatro Massimo in Palermo und das KKL in Luzern führte. Im Jahr 2025 nahm Rivera an Pollinas Tournee mit dem Sinfonieorchester des Konservatoriums Zürich teil. Das Repertoire des sizilianischen Liedermachers wurde zu diesem Anlass neu interpretiert und klassisch arrangiert und in Theatern wie dem Wiener Konzerthaus, der Meistersingerhalle in Nürnberg, dem Vittoriale in Gardone Riviera und dem Teatro Romano in Fiesole aufgeführt.
GABRIELE COEN QUINTET – SEPHARDIC BEAT
Seit 2018 nimmt er am Projekt „Sephardic Beat“ teil, zusammen mit Gabriele Coen, Sopran-Saxophon und Tenor-Saxophon, Klarinette – Alessandro Gwis, Klavier – Mario Rivera, Bass, Ziad Trabelsi, Oud, Gesang – Arnaldo Vacca, Percussion. Die Gruppe präsentiert ein Repertoire, in dem sephardische Musik auf den Jazz trifft. „Sefarad ist der Name, mit dem die Juden Spanien bezeichneten, und hier beginnt die Reise der Gruppe. Die charakteristischsten Merkmale der sephardischen Musik gehen auf ihre spanischen Wurzeln im Mittelalter und in der Renaissance zurück. In ihrer melodischen Struktur finden sich archaische Spuren, es sind Kadenzen und Formen erhalten geblieben, die in der Musik der Minnesänger des christlichen Abendlandes gebräuchlich waren, aber auch Ähnlichkeiten mit den zeitgenössischen Cantigas de Santa Maria, die vom spanischen König Alfons dem Weisen gesammelt wurden. Zudem finden sich in der sephardischen Musik einige der wichtigsten Aufführungspraktiken, die islamische Musiksysteme charakterisieren: Tonleitern, Verzierungen, Mikrointervalle, geleitete Improvisationen, Interpretationsstil; man denke nur an die Ähnlichkeiten mit der arabisch-andalusischen Tradition.“ Das Quintett nahm im Jahr 2023 die gleichnamige CD beim Plattenlabel Parco della Musica Records auf.
Weitere Musikprojekte
Zu Beginn seiner musikalischen Karriere, in den frühen 80er Jahren, war er Gitarrist bei Graziella La Barbera und Serena Lao, beides sizilianische Folk-Sängerinnen.
Im Jahr 2006 spielte er E-Bass beim Titel „Penny Arcades“ auf der CD „Pomeriggi Similabissali“ von Angelica Sauprel Scutti (Point of View Records).
Im Jahr 2007 spielte er den E-Bass beim Titel „Un pinseri“ auf der CD „Marilia’s City“ von Marilia Vesco (C.A.R. Production).
Im Jahr 2008 war Rivera im Rahmen des Festivals Sete Sois Sete Luas an der Gründung des länderübergreifenden 7 Sois Orchestra beteiligt. Das 7 Sois Orchestra mit Stefano Saletti (musikalische Leitung, Oud, Bouzouki), Margarida Guerreiro, Gesang (Portugal), Eyal Sela, Blasinstrumente (Israel), Jamal Ouassini, Violine (Marokko), Miguel Angel Ramos Ortiz, Gitarre (Spanien), Massimo Cusato, Percussion (Italien) und Mario Rivera, E-Bass (Italien) nahm im selben Jahr die Live-CD A Night in Sicily auf, die vom Festival selbst produziert und veröffentlicht wurde. Mit dem 7 Sois Orchestra ging er von 2008 bis 2010 auf Tournee durch Europa und Israel.
Im Jahr 2009 wirkte Rivera bei den Aufnahmen und dem Live-Konzert zum Album Gli Anni Zero von Ottavia Fusco mit, sowie als Musiker und Schauspieler in der Theateraufführung „Bang Bang!“ von Edoardo Sylos Labini zusammen mit Sylos Labini selbst, Ottavia Fusco, Antonello Aprea und Gianfranco Mauto.
Im Jahr 2012 war er, wieder im Rahmen des Festivals Sete Sois Sete Luas, an der Gründung des 7 Sois MedKriol Orchestra beteiligt, zu der José Barros, musikalische Leitung, Gesang, Braguesa-Gitarre, Akustikgitarre, Cavaquinho (Portugal) – Tetè Alinho, Gesang und Percussion (Kap Verde) – Mimmo Epifani, Mandoline (Italien) – Jamal Ouassini, Violine (Marokko) – Manuel Cabrales, Percussion (Spanien) und Mario Rivera, akustischer Bass (Italien) gehörten. Das 7 Sois MedKriol Orchestra nimmt im selben Jahr die Live-CD Live in Alentejo auf, die vom Festival selbst produziert und veröffentlicht wird.
Zu Ehren des genuesischen Liedermachers Fabrizio De André interpretierten Raffaela Siniscalchi, Gabriele Coen, Stefano Saletti und Mario Rivera, Vertreter der italienischen Jazz- und World-Szene, 2012 mit dem Musikprojekt Ho visto Nina volare in Atri einige seiner schönsten Lieder. Eine CD dieses Projekts wurde im Jahr 2020 von Compagnia Nuove Indye herausgebracht.
Ebenfalls im Jahr 2012 wirkte er an der Aufnahme des Albums ImmagiNaples von Ottavia Fusco und Enzo Decaro unter der musikalischen Leitung und mit Arrangements von Cinzia Gangarella sowie an der dazugehörigen Theater- und Musikaufführung mit.
Von 2012 bis 2013 gehörte er zum Ensemble der „Epifani’s Barbers“, einer Gruppe für ethnische Musik unter der Leitung des apulischen Mandolinisten Mimmo Epifani, zusammen mit Giuseppe Grassi (Mandola), Giandomenico Caramia (Akkordeon und Percussion), Sandro Paradisi (Akkordeon und Keyboards) sowie Cosimo Leone (Schlagzeug).
Im Jahr 2013 wirkte er in der Theater- und Musikaufführung Racconti Ritrovati von Lisa Ferlazzo Natoli mit, die im Rahmen des Jazzfestivals von Roccella Ionica (RC) aufgeführt wurde.
Seit 2020 ist er Mitglied des 7 Luas Med Orkestra im Rahmen des Festivals 7 Sois 7 Luas. Zur Gruppe gehören Custodio Castelo (Portugal), musikalische Leitung, portugiesische Gitarre – Alidé Sans (Katalonien), Gesang, Gitarre – Bernard Joron (La Réunion), Gesang, Gitarre, Trompete – Moises Ramos (Kap Verde), Keyboards – Tiago Manuel Suarez (Portugal), Percussion, Schlagzeug. Das Repertoire umfasst Stücke aus allen Herkunftsländern der sechs Musiker sowie zwei Originalkompositionen von Custòdio Castelo. Nach dem Debüt bei zwei Konzerten in Pombal (Portugal) und Pontedera Anfang September sind für das Jahr 2021 weitere Konzerte im Rahmen des Festivals „7 Sois 7 Luas“ geplant.
Produktionen & Remix
Seit Ende der 90er Jahre hat Mario Rivera verschiedene Alben produziert oder koproduziert. Neben den bereits erwähnten Alben mit Agricantus und Banda Ikona folgten Bonora von Marcello Murru (2004), La via della sete der Band Nuklearte aus Palermo (2004), Dea der sizilianischen Band Isola (2005), Awakening (2010), Yiddish Melodies in Jazz (2013) und Sephirot, Kabbalah in Music (2017) von Gabriele Coen Jewish Experience.
Parallel dazu produzierte er Titel und Remixe für folgende Künstler: Darmadar, Meu Deus auf Yaudei (1999) – Indaco, Omdurman auf Amorgòs (1999) mit den Gästen Lester Bowie und Rodolfo Maltese – Enzo Avitabile und Mory Kanté, O-Issa und Mane e mane auf O-Issa (1999) – Agricantus, Occhi chi nascinu auf „A come Ambiente“ (2000) und Jusu e susu auf Calura (2002) – Dissidenten, Instinctive Traveller auf „Roots’n’Bass“ (2000) – John Trudell, The Angel of sin auf Roots'n'Bass (2000) – KlezRoym, Oyfn Pripetshik auf Scenì (2000) – Tinturìa, Jovanotto auf Nati Stanchi (2002).
Einige dieser Stücke fanden ihren Weg auf sein erstes Soloalbum „Roots’n’Bass“, das im Jahr 2000 erschien.
Das zweite Album unter eigenem Namen erschien 2007: „O.S.T.“, eine Abkürzung für „Original SoundTrack“ (Original-Soundtrack), und enthält für das Theater komponierte Stücke sowie einen eigens für die CD komponierten Original-Titel.


